Menschliche Übersetzung · Übersetzt von Johann Jakob Christian Donner (†1875) · Quelle: Wikisource · Gemeinfrei
Auch durften sie nie bei Tische sich selbst ein winziges Köpfchen des Rettigs,
Noch Aelteren gar vor dem Munde hinweg vom Dill sich nehmen und Eppich,
Noch Backwerk schmausen, Geflügel und Fisch, noch kreuzweis’ halten die Beine.
Der Vertreter des Unrechts.
Altväterisch Zeug nach Dipolienart! Das riecht nach Cikaden im Haare,
Nach Kekeidasgesang und Buphonienfest!
Der Vertreter des Rechtes.
Ganz wohl! Das waren die Sitten,
Durch welche der Marathonkämpfer Geschlecht aufsproß aus meiner Erziehung.
Doch du lehrst unsere Jugend sogleich in weites Gewand sich vermummen;
Und ich möchte mich hängen an Pallas’ Fest, wenn Einer, im Tanze der Waffen
Herschreitend, die Scham mit dem Schilde bedeckt, zur Schmach für die Tritogebor’ne!
Drum wähle getrost dir zum Führer, o Sohn, mich stärkeren Sprecher des Rechtes;
Dann lernst du dich stets fern halten vom Markt und die laulichen Bäder verabscheun,
Und erröthen in Scham bei schändlichem Thun, und erglüh’n, höhnt Einer dich deßhalb,
Voll Ehrfurcht auch dich erheben vom Siz, wenn ältere Männer herannahn.
Nie wirst du die eigenen Eltern hinfort durch Unart kränken und alles
Unziemliche flieh’n, um der Keuschheit Bild, das erhabene, nicht zu beflecken,
Nie stürmen hinein in der Tänzerin Haus, daß nicht, wo du solchen Genüssen
Nachjagst, dich die Dirne mit Aepfeln bewirft, und der ehrliche Name verscherzt ist:
Nie wirst du dem Vater bestreiten ein Wort, nie „dämischer Alter“ ihn schelten,
Noch schnöd ihm vergelten die Mühe der Zeit, aus der du dem Nest dich entwandest.
Der Vertreter des Unrechts.
O Jüngling, wenn du dich diesem vertraust, dann wirst du Hippokrates’ Kindern,
Bei’m Gott Dionysos, den Rindern gleich, und man wird Lappmämme dich schelten.
Der Vertreter des Rechtes.
In dem Glanz der Gesundheit blühst du vielmehr, und tummelst dich dort in der Kampfbahn,
Kein Schwäzer des Markts mit verschrobenem Spaß, wie die heutige Jugend, und niemals
Vor den Richter gezerrt, kazbalgend um Recht in dem Bettelhalunkenprozesse.
Nein, schreitend hinab zu der Akademie, lustwandelst du friedlich im Oelhain,
Mit dem schimmernden Rohr um die Stirne gekränzt, an dem Arm des bescheidenen Freundes,
In des Epheus Duft, in der Muße Genuß, umlaubt von der silbernen Pappel,
In des Frühlinges Luft, wann traulich und hold mit dem Platanos flüstert die Ulme.
Wenn also du thust, was ich dir empfahl,
Und hierauf nur hinwendest den Sinn;
Dann schaffst du dir stets vollkräftige Brust,
Und ein blühend Gesicht und die Schultern gewölbt,
Und das Zünglein kurz, hübsch großes Gesäß,
Hübsch kleines Geschöß.
Doch wenn du’s treibst, wie die heutige Welt,
Dann wird dir zum Lohn blaßgelb das Gesicht,
Und die Schultern gedrückt, und schmächtig die Brust,
Und die Zunge gedehnt, und klein das Gesäß,
Und groß das Geschöß, und der Vortrag breit.
Und er redet dir ein,
Daß Häßliches schön und das Schöne sogar
Dir häßlich erscheint.
Dann wirst du zulezt, dem Antimachos gleich,
In viehische Lust dich versenken.
Zweiter Halbchor.
Gegenstrophe.
(zu dem Vertreter des Rechtes.)
Du, der du treu schirmest die Burg
Göttlich erhab’ner Weisheit,
Wie duftig blüh’n sittlicher Kraft
Blumen in deinen Worten!
Ja, hochbeglückt waren sie, traun,
Die vormals mit dir gelebt!
(zu dem Vertreter des Unrechts.)
Darum, o du, Meister der Kunst
Zierlichen Worts, rüste dich nun,
Neues zu sagen; denn der Mann
Hat sich erprobt mit Ehren!
Die Chorführerin.
Ja, Gründe, stark und triftig, mußt du wider ihn ersinnen,
Wenn ihn du niederwerfen willst und nicht zum Spotte werden.
Der Vertreter des Unrechts.
Schon lange wahrlich preßte mir’s das Eingeweide, sehnlichst
Verlangte mich’s, durch Gegenspruch ihm Alles umzurütteln.
Ich ward der schwäch’re Sprecher ja deßwegen nur geheißen
Von unsern Denkern, weil die Kunst ich allererst ersonnen,
Den Rechten und Gesezen stets gradaus zu widersprechen.
Und dieses hat doch größern Werth, als viele tausend Stater,
Dem Dienst der schwächern Sache sich zu weih’n und doch zu siegen.
(zu Pheidippides.)
Nun sieh, wie leicht die Kinderzucht, worauf er pocht, dahinsinkt:
Er werde, sagt er allererst, nicht warm dich baden lassen.
(zu dem Vertreter des Rechtes.)
Wohlan, auf welchen Grund gestüzt verbeutst du warme Bäder?
Der Vertreter der Rechtes.
Weil sie, verderblich durch und durch, den Mann zur Memme machen.
Der Vertreter des Unrechts.
Halt! Schon erfaßt’ ich mitten dich, du kannst mir nicht entfliehen:
Erkläre mir, wer, meinst du, daß von Zeus’ erhab’nen Söhnen
Bewährt den höchsten Mannesmuth, durchkämpft die meisten Kämpfe?
Der Vertreter des Rechtes.
Für tapf’rer, als Herakles war, erkenn’ ich keinen Andern.
Der Vertreter des Unrechts.
Nun, sahst du kalte Bäder je, die herakleïsch heißen?
Und doch, wo war ein stärk’rer Held'?
Der Vertreter der Rechtes.
Das ist es, eben das ist’s,
Was, weil es jezt den ganzen Tag im Munde führt die Jugend,
Die Badehäuser überfüllt, den Ringerplaz entvölkert.
Der Vertreter des Unrechts.
Dann tadelst du das Treiben auf dem Markt, ich find’ es löblich.
Denn wär’ es schlimm, so stellte wohl Homeros nie den Nestor
Als Redner auf dem Markte dar, wie seine Weisen alle.
Und nun die Zungenfertigkeit, die nach des Gegners Meinung
Die Jugend gar nicht üben soll; – ich rath’ es ihr im Ernste.
Er fordert weiter Sittsamkeit: o ganz verkehrte Dinge!
Denn sah’st du, daß jemals ein Mensch durch Sittsamkeit ein Glück schon
Errungen hätte? Sage mir’s und zeige, daß ich irrte.
Der Vertreter des Rechtes.
Schon oft: hat Peleus doch das Schwert durch solchen Sinn gewonnen!
Der Vertreter des Unrechts.
Ein Schwert? Fürwahr ein hübscher Lohn, den da gewann der Arme!
Talente mehr denn hundert hat Hyperbolos, der Lampner,
Durch seine Schelmerei verdient, doch freilich keine Schwerter!
Der Vertreter des Rechtes.
Durch Sittsamkeit allein gewann Peleus die Hand der Thetis.
Der Vertreter des Unrechts.
Die dann entweichend ihn verließ, weil ihr der Mann zu sittsam
Und nicht so artig war, im Bett die ganze Nacht zu wachen.
Denn brav gedrillt sein will ein Weib: du bist ein alter Klepper.
(zu Pheidippides.)
Jezt siehe nur, mein trautes Kind, was solch ein sittsam Wesen
Einbringt, und welcher Freuden du dich dann entschlagen müßtest
Mit Knaben, Weibern, Becherspiel, mit Wein, Gelagen, Spässen:
Was hast du denn am Leben noch, wenn solches dir versagt ist? –
Genug! Ich wende mich zu dem, wozu Natur dich fortreißt.
Du liebtest, du vergingest dich, du wardst ertappt im Ehbruch:
Du bist verloren; denn du bist kein Redner! Folgst du mir nach,
So hüpfe, lache, freue dich der Kraft, und achte niemals
Etwas für schändlich. Und ertappt bei’m Weibe, sprich zum Manne,
Du findest keine Schuld an dir; Zeus trage gleiche Sünde,
Da dieser auch dem Liebesgott und schönen Frau’n gehuldigt.
Und du, der Mensch, wie solltest du mehr als der Gott vermögen?
Der Vertreter der Rechtes.
Wie? Wenn er nun durchrettigt wird und abgelaugt mit Asche,
Mit welchen Gründen will er dann darthun, er sei kein Weitloch?
Der Vertreter des Unrechts.
Und ob er Weitloch immer sei, was schadet’s ihm?
Der Vertreter der Rechtes.
Wie kann für ihn jemals ein Unglück größer sein?
Der Vertreter des Unrechts.
Was wirst du sagen, zeig’ ich dir das Gegentheil?
Der Vertreter der Rechtes.
Ich schweige: denn was soll ich sonst?
Der Vertreter des Unrechts.
So sage mir:
Anwälte, was für Leute sind’s?
Der Vertreter der Rechtes.
Weitlöcher.
Der Vertreter des Unrechts.
Also mein’ ich auch.
Was sind die Schauspieldichter dann?
Der Vertreter der Rechtes.
Weitlöcher alle.
Der Vertreter des Unrechts.
Wohl bemerkt!
Volksredner, war für Leute sind’s?
Der Vertreter der Rechtes.
Weitlöcher alle.
Der Vertreter des Unrechts.
Nun, erkennst
Du’s endlich, daß du nichts gewußt?
Und im Theater, welcher Art
Sind mehr –? O sieh!
Der Vertreter der Rechtes.
Ich sehe schon.
Der Vertreter des Unrechts.
Was siehst du denn?
Der Vertreter der Rechtes.
Weitaus die mehrsten – großer Zeus!
Weitlöcher sind’s
(auf einzelne Zuschauer deutend)
Von diesem da
Weiß ich’s gewiß, von jenem dort,
Und diesem hier, dem Lockenkopf!
Der Vertreter des Unrechts.
Was sagst du nun?
Der Vertreter der Rechtes.
Ich bin besiegt!
(zu den Zuschauern)
Ihr geilen Böcke, jung und alt,
O fangt mir doch den Mantel auf:
Ich flüchte zu euch hinüber!
(er wirft den Mantel in die Orchestra hinunter; der Sieger geht stolz ab.)
Vierte Scene.
Sokrates. Pheidippides. Strepsiades. Der Chor.
Sokrates.
Was ist es? Willst du deinen Sohn jezt wiederum
Heimnehmen, oder lehr’ ich ihm die Redekunst?
Strepsiades.
Ja, diese lehr’ ihn, halt’ ihn streng, und sei bedacht,
Ihm recht den Mund zu wezen: Einen Backen nur
Für kleine Händel, aber scharf den andern hier,
Auf daß er größ’re Sachen auch mit Ruhm besteht.
Sokrates.
Getrost: du führst ihn als gewandten Denker heim!
Pheidippides.
Als bleichen, armen Stümper, das bezweifl’ ich nicht.
Sokrates.
Nun gehet hin!
Pheidippides.
(zu Strepsiades.)
Ich fürchte, du
Wirst es noch bereuen.
(er geht mit Sokrates in die Wohnung des Lezteren, Strepsiades ab in sein Haus.)
Die Chorführerin.
(an die Zuschauer.)
Was ihr einst gewinnen werdet, Richter, wenn ihr unserm Chor
Gütlich thut, so wie’s gerecht ist, sei von uns euch kundgethan.
Erstlich, wenn ihr euer Brachfeld pflügen wollt zu seiner Zeit,
Soll zuerst euch Regen werden, und den Andern hintennach.
Eure Feldfrucht, eure Reben, wenn sie blüh’n, behüten wir,
Daß sie nicht durch Dürre leiden noch zu lange Feuchtigkeit.
Aber wenn uns Einer Hohn beut, uns, den Götterfrau’n, ein Mensch,
Hab’ er Acht, welch schwere Leiden er von uns erdulden wird:
Weder Wein noch andre Früchte blühen ihm aus seinem Gut.
Denn sobald an Reb’ und Oelbaum junges Laub hervor sich drängt,
Schlagen wir’s mit wilden Schlossen; solche Schleudern schwingen wir.
Sehen wir ihn Ziegel streichen, regnen wir; des Hauses Dach,
Kaum erneut, zermalmt in Scherben ihm des Hagels schwerer Schlag.
Wenn er selbst, ein Anverwandter oder Freund, heimführt die Braut,
Regnen wir die ganze Nacht durch, daß er sicher wünschen wird:
Wär’ ich doch am Nil gewesen, statt so schlecht zu richten hier!
Vierter Act.
Erste Scene.
Strepsiades. Der Chor.
Strepsiades.
(mit einem Sack voll Mehl auf dem Rücken.)
Der fünfte, vierte, dritte, dann der zweite noch;
Dann kommt von allen Tagen der, vor welchem mir’s
Am meisten bangt und schaudert, der ein Gräuel mir,
Gleich hinter diesem, mein verwünschter Altundneu.
Da schwört ein Jeder, dem ich Etwas schuldig bin,
Das Pfand zu hinterlegen, droht vom Hause mich
Zu jagen, taub für all mein Fleh’n um Billigkeit
Und Schonung: „Bester, fordre jezt das Sümmchen nicht,
Dies borge länger, dies erlaß!“ Nein, sagt er, nein,
So komm’ ich nie zu meinem Geld, und schmäht und schimpft
Mich Lump, Betrüger, und mit Klagen droht er mir.
Nun, mag er denn nur klagen: daran liegt mir nichts,
Wenn Er das Reden brav gelernt, Pheidippides.
Will’s bald erfahren, klopfe hier an die Denkerei.
(er pocht an.)
Bursch, Bürschchen, heda!
(Der Pförtner öffnet.)
Zweite Scene.
Sokrates. Strepsiades. Der Chor.
Sokrates.
(tritt aus dem Hause.)
Meinen Gruß, Strepsiades!
Strepsiades.
(seinen Mehlsack abstellend.)
Willkommen! Doch vor Allem nimm den Sack mir ab;
Man muß dem Lehrer Ehre thun, ihm dankbar sein.
Von meinem Sohne sage mir, hat er die Kunst
Gelernt, die neue, die du jüngst hier eingeführt?
Sokrates.
Er kennt sie –
Strepsiades.
Dank dir, Prellerei, Allherrscherin!
Sokrates.
So, daß du jeden Handel, den du willst, gewinnst.
Strepsiades.
Auch wenn bezeugt wird, daß ich Geld auf Zinse nahm?
Sokrates.
Nur um so besser, und bezeugten’s Tausende!
Strepsiades.
„So ruf’ ich jezt laut im hellsten Jubellaut!
Juchhei!“ Und ihr – heult, ihr Pfennigwucherer,
Weh euch mit eurem Kapital und Zinseszins!
Denn einen Streich mir spielen sollt ihr nimmermehr!
Wächst ein so trefflicher Sohn
Doch in dem Hause mir auf;
Zweischneidig erblizt ihm die Zunge!
Mein Schuz, des Hauses Retter, unsrer Feinde Schreck,
Löst er den Gram, der schwer drückte das Vaterherz!
(zu Sokrates)
Eile hinein, geschwind ruf ihn heraus zu mir!
(Sokrates geht hinein.)
O Söhnchen, o Kind, komm vor, komm schnell!
Höre, der Vater ruft!
Sokrates.
(mit Pheidippides herauskommend.)
Da kommt er, der Mann!
Strepsiades.
(den Pheidippides umarmend)
Trautester, Trautester!
Sokrates.
Nimm den Sohn und gehe!
(geht in sein Haus zurück.)
Dritte Scene.
Strepsiades. Pheidippides. Der Chor.
Strepsiades.
Juchhe, juchhe, mein Kind!
(nachdem er ihn mit Entzücken angestaunt.)
Ju! Ju!
Wie freut mich’s, endlich deine Farbe so zu seh’n!
Jezt ist in deinen Augen erst der Widerspruch
Sichtbar, das Rechtabläugnen, – und das heimische:
„Was sagst du?“ spielt um deinen Mund, samt jenem Ernst,
Der sich gekränkt stellt, während er den Andern kränkt.
Aus deinem Angesichte blickt der Attiker.
Nun sei mir Retter, wie du mein Verderben warst!
Pheidippides.
Dir graut – wovor denn?
Strepsiades.
Vor dem alt- und neuen Tag –
Pheidippides.
Was ist denn das, ein alter und ein neuer Tag?
Strepsiades.
Auf den sie mir mit hinterlegtem Pfande drohn.
Pheidippides.
Und auch das Pfand verlieren; denn unmöglich kann
Der Eine Tag doch auch zugleich zwei Tage sein.
Strepsiades.
Unmöglich wär’ es?
Pheidippides.
Allerdings, wenn nicht zugleich
Ein Dirnchen und ein altes Weib dasselbe sind.
Strepsiades.
Doch steht es im Geseze.
Pheidippides.
Sie versteh’n es falsch,
Sie wissen nicht recht, was es meint.
Strepsiades.
Was meint es denn?
Pheidippides.
Der alte Solon war gewiß ein Bürgerfreund –
Strepsiades.
Das hat ja gar nichts mit dem Altundneu zu thun.
Pheidippides.
Der hat die Vorladungen angesezt auf zwei
Verschiedne Tage, den alten und den neuen Tag,
Damit die Hinterlagen am Neumond geschehn.
Strepsiades.
Warum den alten noch dazu?
Pheidippides.
Mein Freund, damit
Der Angeklagte Tags zuvor erscheinen kann,
Gutwillig sich zu lösen, und, vermag er’s nicht,
Frühmorgens ihn der strenge Neumond ängstiget.
Strepsiades.
Was zieh’n die Richter schon am alt- und neuen Tag,
Warum am Neumondstage nicht die Pfänder ein?
Pheidippides.
Sie machen’s, wie Vorkoster thun am Opfertisch:
Um möglichst bald die Pfandgebühren einzuziehn,
Drum kosten sie’s um einen vollen Tag zuvor.
Strepsiades.
(gegen die Zuschauer)
Ihr Armen, he! Was sizt ihr da so dumm herum,
Ein Spott für uns, die Weisen! Klöze, Steine nur,
Nur Ziffern, Schöpse, Humpen, blindlings aufgehäuft!
Wohl billig stimm’ ich auf mich selbst und diesen Sohn
Um solches Glückes willen an ein Jubellied!
(singend)
„O du glückseliger Mann!
Wie weise schon bist du selbst,
Und welchen Sohn ziehst du groß!“
So ruft mit bald jeder Freund
Und Nachbar zu,
(zu Pheidippides)
Voll Neides, wenn in jedem Handel
Dein Wort Sieger bleibt!
Doch komm hinein mit mir, um dich
Erst am Mahl zu laben.
(Sie gehen in’s Haus.)
Vierte Scene.
Pasias, ein wohlbeleibter Alter. Ein Zeuge. Strepsiades. Der Chor.
Pasias.
(im Gespräche mit dem Zeugen fortfahrend.)
Da soll ein Mann das Seine so wegwerfen? Nein,
Nein! Klüger freilich war es, ihm damals sogleich
Rundweg es abzuschlagen, als jezt also mich
Herumzuziehen, daß ich um mein Eigenthum
Dich herbemüh’n als Zeugen und noch obendrein
Mit einem alten Nachbar mich verfeinden muß.
Doch nie, so lang ich lebe, schänd’ ich unsre Stadt;
So lad’ ich denn Strepsiades –
Strepsiades.
(aus dem Hause tretend.)
Wer ist der Mann?
Pasias.
Vor auf den Altundneuen.
Strepsiades.
(zu den Zuschauern:)
Ihr bezeugt es mir:
Zwei Tage hat er anberaumt!
(zu Pasias:)
Und was betrifft’s?
Pasias.
Ich borgte dir zwölf Minen, um den Schecken dir
Dafür zu kaufen.
Strepsiades.
Ich den Schecken? Hörtet ihr’s?
Ich, der – ihr alle wißt es – haßt, was Pferde heißt?
Pasias.
Sie heimzuzahlen schwurst du bei den Göttern dort.
Strepsiades.
Wohl: aber damals hatte ja Pheidippides
Noch nicht das unumstößliche neue Recht gelernt.
Pasias.
Und also darum läugnest du die Schuld mir ab?
Strepsiades.
Was würd’ ich sonst gewinnen bei der Wissenschaft?
Pasias.
Und willst du mir’s abschwören bei den Göttern selbst,
Wenn ich zum Eid dich treibe?
Strepsiades.
Was für Göttern denn?
Pasias.
Dem Zeus, dem Hermes und Poseidon.
Strepsiades.
Ja bei Zeus,
Um nur zu schwören, legt’ ich drei Obole drauf!
Pasias.
Zur Hölle du mit deiner unverschämten Stirn!
Strepsiades.
(auf den Bauch des Pasias zeigend)
Brav eingepöckelt, möchte der noch brauchbar sein!
Pasias.
Wie? Du verhöhnst mich?
Strepsiades.
Faßte wohl sechs Kannen der!
Pasias.
Bei Zeus und aller Götter Macht, das soll dir nicht
Von mir so hingeh’n!
Strepsiades.
Welch ein Spaß die Götter da!
Auch Zeus im Eidschwur ist ein Spott der „Wissenden.“
Pasias.
Das sollst du bitter büßen, traun, zu seiner Zeit!
Jezt – willst du zahlen oder nicht? Antworte mir,
Damit ich weiter gehe.
Strepsiades.
Wart’ in Ruhe noch:
Gleich bring’ ich deutlich und bestimmt Antwort zurück.
(er läuft in’s Haus.)
Pasias.
(zu dem Zeugen:)
Was, meinst du, wird er thun?
Der Zeuge.
Bezahlen, mein’ ich doch!
Strepsiades.
(kommt mit einem Backtroge zurück.)
Wo kam der Mann hin, welcher Geld von mir verlangt? –
Sag’ an, wie heißt dies?
Pasias.
Einen Backtrog nennt man es.
Strepsiades.
Und, solch ein Dummkopf, forderst du noch Geld von mir?
Nie geb’ ich einen Obolos dem Mann heraus,
Der einen Trog die Backeltruhe nennen kann!
Pasias.
So willst du nicht bezahlen?
Strepsiades.
Nein, so viel ich weiß.
Nun tummle dich, und eilig packe dich hinweg
Von meiner Thür!
Pasias.
Ich gehe. Doch das merke dir:
So wahr ich lebe, hinterleg’ ich jezt ein Pfand!
(er geht mit dem Zeugen ab.)
Strepsiades.
Und wirst es auch wegwerfen zu den zwölfen hin!
Zwar daß dir das begegnet, thut mir wahrlich leid;
Denn nur aus Einfalt sprachest du von einem Trog.
Fünfte Scene.
Amynias, ein wohlgekleideter junger Mann. Strepsiades. Der Chor.
Amynias.
O weh mir, weh!
Strepsiades.
Ho, ho!
Wer heult denn hier so kläglich? Hat wohl Einer gar
Von Karkinos’ Dämonen solchen Schrei gethan?
Amynias.
Wie? Wer ich sei? Ach, das zu wissen wünschet ihr?
Ein Mann des Unglücks!
Strepsiades.
Gehe denn nur deines Wegs!
Amynias.
„O grimmer Dämon, wagenradzertrümmerndes
Geschick der Rosse! Pallas, wie verderbst du mich!“
Strepsiades.
Was hat dir denn Tlepolemos je zu Leid gethan?
Amynias.
Freund, spotte nicht; nein, heiße lieber deinen Sohn
Das Geld zurück mir zahlen, das ich ihm geborgt,
Zumal mich sonst auch heimgesucht das Misgeschick.
Strepsiades.
Und welches Geld denn?
Amynias.
Das ich ihm auf Zinse lieh.
Strepsiades.
Da kamst du wirklich übel weg, wie mich bedünkt.
Amynias.
Wettrennen wollt’ ich (großer Zeus!), und kam zu Fall.
Strepsiades.
Was faselst du, wie Einer, der vom Esel fiel?
Amynias.
Ich fas’le, wenn ich wieder will, was mein gehört?
Strepsiades.
Unmöglich kannst du wiederum gesunden.
Amynias.
Wie?
Strepsiades.
Fast wie ein Erdstoß, scheint es mir, traf’s dein Gehirn.
Amynias.
Und du, bei Hermes, scheint es mir, stehst bald vor Amt,
Wenn du das Geld nicht heimbezahlst.
Strepsiades.
Erst sage mir:
Was meinst du? Sendet jedesmal, wenn’s regnet, Zeus
Uns neues Wasser, oder zieht die Sonne stets
Dasselbe Wasser wiederum von unten auf?
Amynias.
Das kann ich nicht entscheiden; liegt mir wenig dran.
Strepsiades.
Und doch – das Geld zu fordern hältst du dich befugt,
Und weißt so gar von überird’schen Dingen nichts?
Amynias.
Nun, bist du nicht bei Gelde, Freund, so zahle doch
Den Zins vom Hauptstuhl.
Strepsiades.
Welch ein Thier ist das, der Zins?
Amynias.
Was anders, als daß jeden Monat, jeden Tag,
Die Summe Geldes immerfort sich mehrt und mehrt,
Indeß gemach fortströmt die Zeit?
Strepsiades.
Recht gut gesagt!
Doch weiter! Glaubst du, daß die See zu dieser Zeit
Viel größer ist als früher?
Amynias.
Nein, die bleibt sich gleich;
Ich sehe nicht, warum sie wachsen sollte.
Strepsiades.
Nun,
Wie kommt es, Armer? Größer wird niemals die See,
In die so manches Wasser doch einströmt, und du
Verlangst, nur immer wachsen soll dein Silberschaz?
Auf, packe dich von hinnen! Fort von meinem Haus!
(zu einem Sklaven)
Bring’ her den Ochsenstachel!
Amynias.
(zu den Zuschauern.)
Ihr bezeugt mir das!
Strepsiades.
Was säumst du? Vorwärts! Tummle dich, mein edles Roß!
Amynias.
Ha, welch ein Frevel!
Strepsiades.
Trabst du gleich? Ich stachle dich,
Seilklepper, unterm Schweife, daß du weiter kommst!
(Amynias entflieht.)
Nun, läufst du? Hätt ich eben doch dich fortgebracht
Samt deinen Rädern und dem Stuhl des Zweigespanns.
(ab in’s Haus.)
Erster Halbchor.
Strophe.
So kommt es, wenn man bösem Werk nachtrachtet! Hier
Der Alte, Wahntrunk’ne,
Will Gelder unterschlagen, die
Ein Andrer ihm auf Zinse lieh.
Nicht fehlen kann es, heute trifft
Sicher ihn ein Ungemach,
Daß der abgefeimte Wicht
Unverseh’ns
Für seine Schelmereien all
Den Lohn empfängt, der Klügling!
Zweiter Halbchor.
Gegenstrophe.
Bald, mein’ ich, wird er finden, was er lange schon
Mit heißer Gier suchte:
Daß Meister ward sein Sohn, beherzt
Im Widerspruch, im Wortgefecht,
Das Recht zu beugen, daß er flugs
Alle Gegner niederschlägt,
Die er trifft, und spräch’ er auch
Eitel Trug.
Gewiß, gewiß, er wünscht dereinst,
Er wäre stumm, der Junge.
Fünfter Act.
Erste Scene.
Strepsiades. Pheidippides. Der Chor.
Strepsiades.
(stürzt aus dem Hause, hinter ihm her Pheidippides, der nach ihm schlägt.)
Au, au!
Ihr Freunde, Nachbarn, Anverwandte, steht mir bei,
So viel ihr könnt, – vor seinen Schlägen rettet mich!
Mein graues Haupt, ich Armer, ach, mein Backenbein!
Scheusal, du schlägst den Vater?
Pheidippides.
Ja, mein Vater, ja!
Strepsiades.
(an die Zuschauer:)
Seht, er bekennt, daß er mich schlägt!
Pheidippides.
Nun, allerdings!
Strepsiades.
Ruchloses Scheusal, Vatermörder, Straßendieb!
Pheidippides.
O schimpfe so noch Einmal, schimpfe derber noch!
Ich hör’ es gerne, noch so viel und noch so derb.
Strepsiades.
Spizbube, Schandkerl!
Pheidippides.
Streue mir der Rosen viel!
Strepsiades.
Du schlägst den Vater?
Pheidippides.
Und beweisen, will ich, traun,
Daß ich’s mit allem Rechte that.
Strepsiades.
Abscheulicher,
Den Vater schlagen, – sollte das mit Recht geschehn?
Pheidippides.
Mit Gründen zeig’ ich’s, daß du dich besiegt erkennst.
Strepsiades.
Das wolltest du mir zeigen?
Pheidippides.
Leicht, und gründlich auch;
In welcher Redeweise, das entscheide selbst.
Strepsiades.
In welcher – ?
Pheidippides.
Nun, der stärkern oder schwächeren?
Strepsiades.
So? Freilich darum lerntest du die Kunst, o Thor,
Dem Recht zu widersprechen, um am Ende mir
Noch einzureden, daß es recht und löblich sei,
Wenn seinem Vater Schläge gibt der eigne Sohn!
Pheidippides.
Ich denke dir’s so gründlich einzureden, daß
Du selbst, mein Wort vernehmend, Nichts entgegnen sollst.
Strepsiades.
Nun denn, so will ich hören, was du sagen wirst.
Erster Halbchor.
Strophe.
An dir, o Greis, ist’s, auszuspäh’n, in welcher Art
Du diesen bewältigst;
Denn pocht’ er nicht auf irgendwas, er wäre doch
Nicht gar so vermessen.
Wohl macht ihn Etwas trozig; denn viel Zuversicht
Bewährt er und Keckheit.
Die Chorführerin.
Doch jezt, aus welchem Keime sich der Streit zuerst entsponnen,
Ziemt dir dem Chore kundzuthun; so sag’ es unverholen.
Strepsiades.
Nun ja, von wannen wir zuerst begannen uns zu schimpfen,
Erzähl’ ich. Eben saßen wir am Mahle, wie ihr wisset;
Da hieß ich erst die Leier ihn ergreifen, um zu singen
Das Liedchen von Simonides: „der Widder ward geschoren.“
Gleich fuhr er auf, altmodisch sei’s, zu leiern und zu singen
Bei’m Trunk, dem alten Weibe gleich, das dürre Gerste mahle.
Pheidippides.
Und mußt’ ich dir nicht gleich zu Leib mit Fäusten und mit Füßen,
Da du mich singen hießest, als herbergtest du Cikaden?
Strepsiades.
Das Gleiche hat er drinnen auch schon, so wie jezt, geäußert;
Auch schalt er auf Simonides, er sei ein schlechter Dichter.
Ich hielt mich nur mit Mühe, doch bezwang ich mich im Anfang;
Dann hieß ich ihn mir wenigstens, ein Myrtenreis in Händen,
Anstimmen was von Aeschylos. Und er entgegnet hastig:
„Von Aeschylos? Nun, dieser dünkt mir, traun, der erste Meister
In Schwulst und Bombast, ungeschlacht, hochtrabend, aufgedunsen.“
Da kochte mir (wie meint ihr wohl?) vor Grimm das Herz im Busen;
Gleichwohl verbiß ich meine Wuth und sprach: „So stimme, Lieber,
Mir etwas aus den Neuern an, vom feinsten Zeitgeschmacke!“
Gleich sang er aus Euripides ein Stück, worin der Bruder –
Apollon, wend’ uns ab den Fluch! – beiwohnt der eignen Schwester.
Das hielt ich denn nicht länger aus, und plazte los mit Fluchen,
Mit Schimpf und Schmähung mancher Art; nun ging es, wie’s Gebrauch ist:
Scheltwort zu Scheltwort häuften wir, bis der an mich heranspringt,
Und mich zerstampft, durchbläut und preßt, und fast das Herz mit auswürgt.
Pheidippides.
Mit Recht, da du den Euripides, den ersten aller Weisen,
Nicht ehrst!
Strepsiades.
Den ersten Weisen ihn? O du – wie soll ich sagen?
Doch sezt es wieder Schläge dann.
Pheidippides.
Gewiß, und wohlverdiente!
Strepsiades.
Wie? Wohlverdient? Schamloser! War nicht ich es, der dich aufzog,
Und jeden deiner Wünsche stets errieth an deinem Lallen?
So oft du Bryn riefst, merkt’ ich gleich und reichte dir zu trinken;
Und wenn du Mamman betteltest, so lief ich Brod zu holen;
Und wenn du Kakka kaum gesagt, so nahm ich dich und sezte
Dich vor die Thür und hielt dich ab: und du, du würgst mich, Unmensch!
So laut ich rief, so laut ich schrie,
Daß Noth mich dränge, trugst du doch
Mich vor die Thüre nicht hinaus,
Verruchter Sohn, daß eingepreßt
Ich drinnen Kakka machte.
Zweiter Halbchor.
Gegenstrophe.
Mich dünkt, den Jungen klopft das Herz vor Ungeduld,
Was dieser entgegnet.
Nun, wenn sich rein zu waschen ihm nach solcher That
Durch Schwazen gelänge;
Dann gäben wir für solcher Greise Fell hinfort
Kein winziges Böhnchen.
Die Chorführerin.
(zu Pheidippides:)
Nun ist’s an dir, du neuer Kunst Aufrüttler und Beweger,
Auf Ueberredung auszugeh’n, damit du scheinst im Rechte.
Pheidippides.
Wie lieblich ist es, eingeweiht in neuer Kunst Ideen
Voll Trefflichkeit, herabzuseh’n auf hergebrachte Sitte!
So lang auf Roß und Wagen nur ich Herz und Sinn gerichtet,
Da konnt’ ich auch drei Worte nicht vorbringen ohne Stocken.
Nun aber, seit der Vater selbst davon mich abgezogen,
Und ich mit feinem Saz und Wort und Grübelei’n vertraut bin,
Nun denk’ ich klar zu zeigen, daß den Vater schlagen recht sei.
Strepsiades.
So reite, fahre, wie du willst! Mir wahrlich thut es besser,
Ein Viergespann zu füttern, als durch Schläge mürb zu werden.
Pheidippides.
Ich komme wieder auf den Saz, wo du mich unterbrachest,
Und frage dich vor Allem: ob du mich als Kind geschlagen?
Strepsiades.
Gewiß, aus reiner Liebe nur und Sorg’ um dich.
Pheidippides.
So sage,
Ob’s nicht gerecht ist, daß auch ich durch Schläge meine Liebe
Dir zeige, da das Schlagen ja nichts ist als reine Liebe?
Wie sollte denn nur deine Haut frei sein von jedem Streiche,
Die meine nicht? Ich bin doch auch als freier Mann geboren.
„Die Kinder heulen, und der Vater soll es nicht?“
Wohl wirst du sagen, also sei’s einmal bei Kindern üblich;
Doch ich erwied’re, Greise sind zum zweitenmale Kinder.
Und wohl verdienen Alte drum mehr Schläge denn die Jungen,
Je minder ihrer Jahre Zahl, zu fehlen, sie berechtigt.
Strepsiades.
Doch nirgend ist es üblich, daß dem Vater so geschehe.
Pheidippides.
War’s nicht ein Mensch, der dies Gesez uns aufgestellt im Anfang,
Wie du und ich? Gewann er nicht mit Reden erst die Alten?
Wie stünde mir’s denn minder frei, der Folgezeit ein neues
Gesez zu schaffen, daß der Sohn den Vater wieder schlage?
Die Schläge, die wir kriegten, eh man dies Gesez erließe,
Die schenken wir euch insgesammt als Schulden, die verjährt sind.
Betrachte doch die Hähne nur und andres Hausgezüchte,
Wie’s gegen seine Väter kämpft. Gleichwohl was unterscheidet
Sie denn von uns, als daß sie nicht wie wir Psephismen krizeln?
Strepsiades.
Nun, wenn du denn die Hähne doch nachahmen willst in Allem,
Scharr’ aus dem Mist dein Futter auch und schlaf’ auf einer Leiter!
Pheidippides.
Das ist ein Andres, wäre, Freund, auch Sokrates’ Geschmack nicht.
Strepsiades.
Drum schlage nicht; sonst hast du selbst dereinst dich anzuklagen.
Pheidippides.
Warum?
Strepsiades.
Wie ich berechtigt bin, dich, meinen Sohn, zu strafen,
So du dereinst auch deinen Sohn.
Pheidippides.
Und wenn mir keiner würde –
Ich hätte dann umsonst geheult, du lachtest noch im Grabe.
Strepsiades.
(an die Zuschauer.)
Ihr Männer, mir an Alter gleich, mir scheint er Recht zu haben;
Mich dünkt, man muß den Jungen auch, was billig ist, gestatten.
Denn wenn wir nicht das Rechte thun, ist’s billig, uns zu schlagen.
Pheidippides.
Sieh hier noch einen andern Saz.
Strepsiades.
Nun geht es mir an’s Leben.
Pheidippides.
Vielleicht, du wirst dich eher dann für deine Schläge trösten.
Strepsiades.
Wie? Sage doch, wie denkst du mir daraus Gewinn zu schaffen?
Pheidippides.
Die Mutter schlag’ ich so wie dich.
Strepsiades.
Was sagst du da? Was sagst du?
Ein neuer Frevel, ärger noch!
Pheidippides.
Wie, wenn ich dir als Anwalt
Der schwächern Sache zeigen kann,
Die Mutter schlagen, sei mir Pflicht?
Strepsiades.
Was weiter? Wenn du solches thust,
Dann hindert nichts mehr, daß du selbst
Hinab dich stürzest in’s Verließ
Mit Sokrates
Und deiner schwächern Sache! –
(sich von ihm abwendend:)
Ihr tragt die Schuld, ihr Wolken, daß ich dies erlebt,
Dieweil ich all mein Trachten euch anheimgestellt!
Die Chorführerin.
An all dem Unheil hast du selbst allein die Schuld,
Da du zu bösem Trachten selbst dich hingewandt.
Strepsiades.
Warum denn habt ihr solches mir nicht gleich gesagt,
Warum mich alten dummen Mann noch mehr bethört?
Die Chorführerin.
Das thun wir immer, jedesmal, wenn Einer uns
Erscheint in böses Trachten ganz und gar verstrickt,
Bis wir den Thoren tief gestürzt in Ungemach,
Damit er Ehrfurcht lerne vor der Götter Macht.
Strepsiades.
O wehe! Schlimm ist das, ihr Wolken, doch gerecht!
Um ihre Gelder durft’ ich meine Gläubiger
Nicht prellen.
(Indem er sich wieder an Pheidippides wendet.)
Nun komm ohne Säumen, Theuerster;
Den Chärephon, den Schurken, und den Sokrates,
Die dich und mich betrogen, auf, verderbe sie!
Pheidippides.
Nein, meinen Lehrern will ich nichts zu Leide thun.
Strepsiades.
Doch, doch! Du sollst Zeus fürchten, unsrer Väter Gott!
Pheidippides.
Da seht mir: Zeus, der Väter Gott! Altgläubiger!
Gibt’s einen Zeus denn?
Strepsiades.
Allerdings.
Pheidippides.
Nein, nein; es herrscht
Der König Umschwung, der den Zeus vom Throne stieß.
Strepsiades.
Nicht stieß vom Throne; nein, ich glaubte früher nur,
Das Schwunggefäß dort wäre Zeus. Ich armer Tropf!
Ich hielt sogar dich, ird’nes Ding, für einen Gott!
Pheidippides.
Hier fas’le nun und schwaze für dich selbst allein!
(er geht ab.)
Zweite Scene.
Strepsiades. Der Chor.
Strepsiades.
Weh, weh, Verrückheit! Daß ich so wahnsinnig war,
Die Götter wegzuwerfen um den Sokrates! –
(Indem er einer Hermessäule naht.)
O lieber Hermes, grolle mir doch nicht darob,
Und reibe mich nicht völlig auf, verzeihe mir’s,
Wenn all die Schwazereien mir den Kopf verrückt!
Ach, rathe mir doch freundlich: soll ich öffentlich
Sie vor Gericht belangen? Oder – was du meinst!
(Er lauscht wie Antwort erwartend.)
Du räthst mir recht, Prozesse weben soll ich nicht,
Nein, flugs in aller Eile dort der Schwäzer Haus
Anzünden.
(ruft in’s Haus hinein.)
Hierher, holla, her du, Xanthias!
Nimm eine Leiter, komm heraus, bring’ Hacken auch,
Und steige dann dort auf die Denkerei hinauf,
Und haue, liebst du deinen Herrn, die Balken durch,
Bis daß die Wohnung ihnen auf die Köpfe stürzt!
(Xanthtias steigt hinauf und geht an die Arbeit.)
Mir bringet eine Fackel her in hellem Brand!
Dann soll von ihnen Mancher heut zur Stelle hier
Mir büßen, sei ihr Uebermuth auch noch so groß!
Dritte Scene.
Strepsiades. Schüler des Sokrates. Sokrates. Chärephon. Der Chor.
Ein Schüler.
O weh! O weh!
Strepsiades.
(die Fackel schwingend.)
Nun ist’s an dir, o Fackel: laß die Flammen sprüh’n!
(er steigt auf das Dach und zündet es an.)
Der Schüler.
Was machst du, Mensch? He!
Strepsiades.
Was ich mache? Weiter nichts!
Ich spintisire mit des Hauses Balken hier.
Zweiter Schüler.
Weh, weh!
Wer steckt das Haus uns über unserm Kopf in Brand?
Strepsiades.
Derselbe, dessen Mantel ihr entwendet habt!
Dritter Schüler.
Du mordest uns! Du mordest uns!
Strepsiades.
Das will ich auch,
Wenn nicht die Hacke meine Hoffnung täuscht und ich
Vorher hinunterstürze, daß mein Nacken bricht!
Sokrates.
(noch innen)
Du, was beginnst du eigentlich, du dort auf dem Dach?
Strepsiades.
In Lüften wandl’ ich, sehe herab auf Helios.
Sokrates.
O wehe, weh mir Armen, ich ersticke noch!
Chärephon.
Und ich, des Unglücks armer Sohn, verbrenne noch!
Strepsiades.
Wer hat denn euch geheißen auch die Götter schmäh’n,
Und nach Selene’s Size schau’n mit Späherblick?
(zu Xanthias.)
Drauf! Schlage, wirf sie! Tausendfach verdienten sie’s,
Zumal sie selbst an unsern Göttern frevelten.
(das Haus des Sokrates brennt nieder.)
Die Chorführerin.
(zu dem Chore.)
Nun ziehet hinaus: denn leidlich getanzt ward heute von uns in dem Reigen!
Vers 5. Früher , als noch Friede war, hätten die Knechte mir nicht so schnarchen dürfen. Da wurden die Sklaven in der Frühe auf das Feld geschickt; seit dem Ausbruche des Krieges mußten sie glimpflicher behandelt werden. Denn bis zum Jahre 413 „waren, wie Thukydides (7, 27.) berichtet, mehr denn 20,000 Sklaven zu den Feinden (den Peloponnesiern, die im attischen Gebiete streiften, Schol.) übergegangen.“
" 14. Freie Männer, besonders welche die Reitkunst übten, trugen langes Haar.
" 17. Bei den Griechen wurde das Geld monatweise ausgeliehen, und die Zinse waren am letzten Monatstage fällig.
" 22. Zwölf Minen sind 275 Thaler.
" 23. Koppa , in der Urschrift Koppatias, ein edles Roß, welchem das Zeichen „Koppa“ in die Hüfte gebrannt ist.
" 25. Die Wagenlenker auf der Rennbahn fuhren neben einander. Oft aber kam einer dem andern in’s Geschirr, wie Antilochos dem Menelaos: Il. 23, 423 ff.
Aber Antilochos lenkte die stampfenden Rosse vorüber,
Rasch abfahrend vom Weg, und bog nur wenig zur Seite.
Held Menelaos erschrack und rief zu dem Sohne des Nestor:
Sinnlos führst du den Wagen, Antilochos! Hemme die Rosse!
Eng ist’s hier; bald kannst du an breiterer Stelle vorüber;
Renne mir nicht an den Wagen; du bringst uns Beide zu Schaden!
" 28. Pheidippides fragt unwillig, ob denn Philon die Bahn ganz für sich in Anspruch nehmen und alle Andern von der Benüzung derselben ausschließen wolle. Kock.
[ 102 ] Vers 30. Nach dem Scholiasten Anspielung auf einen Vers des Euripides: τί χρέος ἔβα δῶμα ; welche Noth traf das Haus ? nur daß Aristophanes das Wort χρέος in der Bedeutung von Schuld gebraucht.
" 32. Zur Schwemme , eigentlich „zum Sande“, zu den sandigen Pläzen, wohin die vom Rennen erschöpften Rosse geführt wurden, um sich durch Wälzen im Sande zu erfrischen.
" 37. ein Schulze , der Demarch, der in den Gemeindeversammlungen den Vorsiz führte und das Schuldenwesen unter sich hatte. Dieser beißt, wie ein Floh oder eine Wanze, den Strepsiades zum Bett hinaus.
" 47. Megakles , ein Name, der in dem angesehenen Geschlechte der Alkmäoniden, aus welchem auch Perikles und Alkibiades stammten, häufig vorkommt. Uebrigens ist die Abstammung der Frau des Strepsiades wohl nur erdichtet, um den Schein der Vornehmheit zu steigern. Die stolze, üppige Kösyra wird bald Eretrierin und Ahnfrau jenes Geschlechtes als Gattin Alkmäons, bald die dem Peisistratos vermählte Tochter der Megakles genannt.
" 63. Namen mit Hippos , Roß, waren ritterlich. Die Mutter, stolz auf Ahnen, die durch Rossezucht sich hervorthaten, (nach Herodotos waren die Alkmäoniden diejenigen, die von Anfang an Wagenkämpfe geübt und Kampfsiege gewonnen hatten,) will ein Roß anbringen, und nennt ihn bald
Der Vater dagegen, dessen Vater Pheidon (V. 134) und Pheidonides , Spargut, Spargutsohn, geheißen hat, nennt ihn Spargütlein (V. 65). Endlich werden sie eins, und nennen ihn, halb adelich und halb ländlich, Sparrösselein . Voß.
" 71. Die „Höhen des Phelleus“ sollen steinige Abhänge nordöstlich von Athen sein, die zu Weiden besonders geeignet waren.
[ 103 ] Vers 79. Ein vielsagendes Pröbchen, bemerkt Wieland zu dieser Stelle, wie der schwachherzige, einfältig-schlaue Strepsiades seinen halbadelichen Jungen erzog. Es werden uns deren noch mehrere aufstoßen. Auch mußte eine solche Erziehung vorhergegangen sein, wenn der sophistische Sokrates dieses Stückes einen solchen Taugenichts aus ihm sollte machen können, wie er sich uns am Ende darstellen wird.
" 81. Der Sohn soll ihm die Hand geben, weil er im Sinne hat, ihm ein Versprechen abzunöthigen.
" 92. Sokrates hatte ein Häuschen, welches er selbst mit Einschluß des Hausgerätes bei Xenophon auf fünf Minen schäzt. Zwölf Minen hatte das Kopparoß (V. 23) gekostet. In einem ähnlichen Häuschen schulhaltert der komische Sokrates; der wirkliche Sokrates war den Tag über nicht zu Hause, sondern verkehrte in Gymnasien, und wo er sonst die meisten Menschen antraf. Voß.
" 96. Stülpkamin , eine Stülpe, worunter man glühende Kohlen barg. In den Panopten des Kratinos ward derselbe Vergleich, wie der Scholiast meldet, dem Weltweisen Hippon zugeeignet.
" 99. Daß Sokrates für seinen Unterricht Geld genommen, bestreiten Xenophon und Plato; wohl aber ist nicht unwahrscheinlich, daß er von seinen Schülern Unterstüzung in Lebensmitteln empfing, während sich die Sophisten für ihre Kunst theuer bezahlen ließen.
" 104. Chärephon aus der Gemeinde Sphettos (V. 156) war ein Jugendfreund des Sokrates, wie dieser selbst in Platons Apologie (c. 5) bezeugt, und hatte zu Delphi den Orakelspruch erwirkt, wodurch Sokrates für den weisesten der Sterblichen erklärt wurde. Er war blaß und hager, hatte lange, schwarze Augenbrauen, aus welchen der Floh (V. 146) auf die Glaze des Sokrates springt, und ein dünnes Stimmchen, weßwegen ihn Aristophanes in den Vögeln (1554.) die Fledermaus nennt. Seine ungestüme Begeisterung für Sokrates mag wohl neben seiner [ 104 ] Gestalt die Pfeile der Komiker auf ihn gelenkt haben, die ihn nicht weniger angriffen, als den Sokrates selbst.
Vers 109. Fasanen, die man vom kolchischen Flusse Phasis eingeführt hatte, waren damals in Athen noch sehr selten. – Leogoras, der Vater des Redners Andokides, war ein berüchtigter Schlemmer.
" 110. Die Anrede parodirt die Sprache der Tragiker.
" 113. Protagoras und andere Sophisten lehrten, daß für die entgegengeseztesten Behauptungen über denselben Gegenstand gleich starke Gründe vorhanden seien, und bekannten sich öffentlich zu der Kunst, die schlechtere, schwächere Sache (des Unrechts) in die bessere, stärkere (des Rechtes) zu verwandeln. Gell. N. A. 5, 3: Protagoras pollicebatur se id docere, quanam verborum industria causa infirmior fieret fortior. Quam rem Graece dicebat : τὸν ἥττω λόγον κρείττω ποιεῖν.
" 126. Der Ausdruck ist von Ringern entlehnt, die erst nach dem dritten Falle für besiegt galten.
" 134. Die vollständige Angabe des Namens, wie sie bei wichtigen Gerichts- und Staatsverhandlungen erforderlich war, gibt der Stelle den Charakter komischer Feierlichkeit. Kock.
" 137. Sokrates, der Sohn einer Hebamme, pflegte selbst seine Lehrweise mit der Kunst seiner Mutter zu vergleichen und sich zu rühmen, daß er die Seelen der Jünglinge von den Wahrheiten, die in ihnen, gleich einer Leibesfrucht im Schooße der Mutter, verborgen liegen, entbinde, und sie also gebären mache. Der thürhütende Schüler wirft im Schrecken eine Fehlgeburt.
" 145. Es ist wohl möglich, daß Sokrates, dem es sehr gewöhnlich war, zumal in guter Gesellschaft bei Tische, paradox scheinende Wahrheiten in einem scherzhaften Tone vorzubringen, unserem Dichter auch zu dieser muthwilligen Spötterei Gelegenheit gegeben haben kann. Denn eine solche Frage aufzuwerfen, wenn etwa die Rede davon war, daß Größe und Kleinheit bloß relative Begriffe seien, wobei Alles auf den Maßstab ankommt, war gar [ 105 ] sehr in seiner Manier. Das Burleske liegt bloß darin, daß Aristophanes den Philosophen Ernst aus der Sache machen und dem Floh Pantöffelchen anziehen läßt, um das Maß seines Fußes genau angeben zu können. Wieland. Uebrigens wird die Geometrie nach Flohfüßen dem Sokrates auch in dem Gastmahle des Xenophon aufgerückt; vielleicht bezieht sich dies auf eine bekannte Anekdote, die auch Aristophanes benüzt.
Vers 177. Sokrates, der so gern seinen belehrenden Umgang der Jugend weihte, hielt sich oft in Gymnasien und Ringhöfen auf, um mit den Jünglingen, die dort ihre Leibesübungen machten, sich zu unterhalten. In den Ringhöfen stand ein Opferaltar; ein Tisch, worauf das Opfer zerlegt wurde, und die Bratspieße durften nicht fehlen, Asche war von den verbrannten Opfertheilen vorhanden. Droysen.
" 186. Kleon hatte sie zuerst in Pylos eingeschlossen, und als sie sich ergaben, nach Athen geführt, wo er die Abgezehrten in enger Haft nochmals hungern ließ: Thukydid. 4, 8. Der Sinn ist: sie sehen so bleich und abgezehrt aus, wie jene Sparter.
" 203. Erobertes Land wurde vermittelst des Looses unter athenische Bürger vertheilt, denen die Einwohner um Lohn dienen mußten; den zehnten Theil davon erhielten die Götter. Der Alte meint V. 205, so solle die ganze Welt vermessen und vertheilt werden.
" 208. Von den zwanzigtausend Bürgern Athens saßen sechstausend in den Gerichten. Die Vorliebe der Athener für Processe verspottet der Dichter auch sonst.
" 212. Euböa liegt neben Attika lang dahingestreckt ; daher der frühere Name der Insel Makris . Die Euböer hatten im Anfang des peloponnesischen Krieges gegen Athen Partei genommen, und waren dafür von Perikles „hingestreckt“ (V. 213), empfindlich gezüchtigt worden. Wieland macht noch auf den demokratischen Stolz des Bauers in den Worten: „uns und Perikles!“ aufmerksam.
[ 106 ] Vers 234. Die Kresse hatte nach der Meinung der Alten eine den Boden und die benachbarten Pflanzen besonders anziehende und austrocknende Kraft. Aristophanes spielt auf die Gewohnheit des Sokrates an, seine Lehrsäze durch Analogieen und Beispiele aus dem gemeinen Leben zu erläutern und anschaulicher zu machen. Wieland.
" 248. Gangbare Münze , d. i. gangbarer Glaube; aber Strepsiades versteht den Ausdruck eigentlich.
" 249. Die eisernen Münzen hatten die Byzantier, ebenfalls Dorer, wie die Sparter, mit den lezteren gemein.
" 257. In dem Athamas des Sophokles, der zwei (verloren gegangene) Tragödien dieses Namens schrieb, wurde dieser alte König Böotiens durch die Rache der Göttin Nephele, die er, nachdem sie von ihm zwei Kinder, Phrixos und Helle, geboren, einer Sterblichen zu Liebe verlassen hatte, bekränzt vor den Altar des Zeus geführt, um geopfert zu werden, aber durch die Dazwischenkunft des Herakles noch gerettet.
" 264. Die Luft wird als „allherrschender Gott“, als Zeus, angerufen nach dem Vorgange des Euripides (in den Bruchstücken):
Du siehest hoch den unermess’nen Aether dort,
Der rings die Erd’ einschließt in feuchter Arme Band.
Ihn achte du für Zeus und glaub’ an jenen Gott!
" 268. In der Stadt ging man gewöhnlich ohne Kopfbedeckung aus.
" 270. Von den äußersten Enden der Erde: den Okeanosinseln im Westen, dem Nil (Neilos) im Süden, dem mäotischen See im Norden, dem Mimas, einem hohen Gebirge Kleinasiens, im Osten, werden die Wolken zusammengerufen.
" 271. Die Nymphen sind die Okeaninen, die Töchter des Okeanos und der Tethys.
" 294. Die schlechten komischen Dichter sind gemeint. Als die komischen Spiele noch auf Wagen an den Straßen vorgetragen wurden, machten die Darsteller das Gesicht [ 107 ] durch Weinhefe unkenntlich. Die Personen des Aristophanes hatten Larven.
Vers 300. Das mystische Haus ist der Tempel der Demeter und Persephone in Eleusis, worin man die Weihe der Mysterien empfing.
" 303. Bilder und Tempel , wie die Werke des Phidias, der Parthenon, die beiden Standbilder der Pallas u. s. f.
" 307. Feste gibt es in jeder Jahreszeit; aber mit dem Lenze beginnt das schönste, die Feier des Dionysos mit Chortänzen und Gesängen, wozu schmetternde Flöten tönten.
" 315. Ausdrücke der Tragödie.
" 319. Parnes , das Gränzgebirge gegen Böotien, im Norden Athens.
" 328. Die ganze hier aufgezählte Sippschaft gehörte der neumodischen Zunft der Sophisten an, deren Schuzgottheiten die luftigen Wolken sind. Unter den „Ringfingerignägelberingten“, d. i. mit Ringen an den Fingern bis zum weißen Nagel bedeckten, versteht Lessing prunkende Flötenspieler; überhaupt sind wohl athenische Stuzer gemeint, wie sie in der Einleitung des platonischen Protagoras im Hause des Kallias sich versammeln, vor Allen der geckenhafte Sophist Hippias aus Elis; der eine Menge selbstverfertigten Puzes an sich trug.
" 329. Dithyrambische Chöre , Rundgesänge, die an festlichen Tagen um Götteraltäre getanzt wurden. Ihr ehemals einfacher, kräftiger, choralmäßiger Ton verlor sich damals in Schwulst und schnörkelnde Künstlichkeit. Diese von den Wolken empfangen zu haben, rühmt sich in den Vögeln 1383 ff. der Dithyrambensänger Kinesias. Voß.
" 331. Phrasen aus Dithyrambendichtern, wie Kinesias, Philoxenos und Kleomenes.
" 332. Das wirbelnde Hunderthaupt ist Typhos; der Gigant, der nach Aeschylos (im Prometheus) hundert Häupter mit blizsprühenden Augen hatte, eine Personifikation des feurigen Wirbelwindes.
[ 108 ] Vers 335. Das Ganze, bemerkt der Scholiast, zielt auf die Dichter, welche bei den Choregen schmausten, oder auf Spruchredner und Seher, die im Prytaneion unterhalten wurden.
" 345. Der Sohn des Xenophantos, Hieronymos, der hochtrabende Tragödien und Dithyramben schrieb, hatte sehr dichtes Haar, das in den Acharnern als „dunkeldichthaarige Tarnkappe“ bezeichnet wird.
" 347. Simon , ein Sophist, in öffentlichen Angelegenheiten sehr gewandt, auch durch Meineid berüchtigt: vgl. V. 395.
" 349. Kleonymos wird oft von Aristophanes und den anderen Komikern durchgezogen, besonders wegen seiner unglaublichen Feigheit.
" 351. Kleisthenes, von dem Dichter anderwärts als glattgeschorener Weichling verspottet, ist bei der Aufführung anwesend zu denken.
" 357. Prodikos , ein durch Geist und Kenntnisse ausgezeichneter Sophist, der sich besonders mit etymologischen und synonymischen Forschungen beschäftigte, und seine Weisheit für schweres Geld verkaufte. Von ihm ist die allegorische Erzählung von Herakles am Scheidewege, die uns in der Umarbeitung des Xenophon (Denkwürd. 2, 1, 21) erhalten ist.
" 360. Die Erde ruft Strepsiades an als Landmann.
" 371. Die Anrede: „du Verweg’ner in Allem“, parodirt eine Stelle des Sophokles im Oedipus auf Kolonos (V. 759 unserer Uebersezung).
" 376. Empedokles lehrte nach Aristoteles: die Erde ruhe durch den schnellen Kreislauf des Himmels, wie ein schnell umgeschwungenes Glas das Wasser nicht verschütte. Von ihm sagt Sokrates im Phädon: er sezt einen Umschwung um die Erde, damit sie unter dem Himmel bleibe. Dieser Umschwung, meint der komische Sokrates, dränge die Wolken zum Fortziehen und zum Zerplazen. Voß.
" 382. Am Feste der Panathenäen, das die Ortschaften Attika’s vereint ihrer Schuzgöttin Pallas Athene, und jedes [ 109 ] fünfte Jahr mit ausgezeichneter Pracht feierten, wurden aus ganz Attika Opferstiere nach Athen gesandt. Voß.
Vers 394. Kronisch werden Dinge genannt, die so alt sind, als Kronos, der von Aristophanes, sogar von Platon, als altfränkischer Thor, als kindisch gewordener Gott bezeichnet wird.
" 395. Von Simon und Kleonymos war schon früher die Rede. Theoros wird von Aristophanes anderwärts als gemeiner Schmeichler verspottet; auch ward er beschuldigt, öffentliche Gelder veruntreut zu haben.
" 397. Sunion, „Attika’s Berghaupt.“ Homer Odyss. 278:
Als wir Athens Berghaupte, dem heiligen Sunion, nahten.
" 404. Die Diasien, ein Fest zu Ehren des Zeus Meilichios, des Besänftigenden, wurden im Monat Anthesterion außerhalb der Stadt mit unblutigen Opfern gefeiert; heitere Volksfeste und Schmausereien schlossen sich an.
" 420. Chaos bezeichnet hier den leeren Luftraum.
" 473. Mit neuem Zeuge , geistigem Kriegsgeräth, um die Seele des Strepsiades für die neue Lehre zu erobern.
" 490. Das Ablegen des Mantels soll die Einweihung in einen höheren Grad andeuten; Strepsiades nimmt es als Vorbereitung zu Schlägen.
" 492. Es war Sitte, bemerkt der Scholiast, daß, wer in fremden Häusern nach vermißtem Eigenthum suchte, ohne Mantel hineinging, damit er nicht entweder selbst Etwas entwenden, oder, wenn er das Vermißte fände, beschuldigt werden könnte, die Sache mit sich hereingebracht zu haben.
" 500. Kuchen, mit Honig bestrichen, das gewöhnliche Sühnopfer für die Götter der Unterwelt, nahm man mit sich hinab in das Heiligthum des Trophonios, eine unterirdische Orakelhöhle bei Lebadeia in Böotien, um sie den Dämonen, den Schlangen und anderem in der Tiefe hausenden Gewürm vorzuwerfen. Die Höhle soll so schauerlich gewesen sein, daß, wer sie einmal besucht hatte, sein ganzes Leben hindurch traurig und ernst blieb, und man von [ 110 ] einem finsteren Menschen sprichwörtlich sagte, er habe sich von Trophonios wahrsagen lassen. Nach dem Scholiasten.
Vers 512. Semele’s Sohn , Dionysos, der, als Vorsteher der dionysischen Festspiele, den komischen Dichter seines besonderen Schuzes würdigte.
" 516. Die Wolken bot der Dichter dem gesammten Volke zu früherem Genuß, als auserkorenen Kunstfreunden. Im Volke aber war eine Partei – der Scholiast sagt, des Alkibiades – die das Stück auszischte, und vielleicht dadurch die Richter bewog, die Mitbewerber Ameipsias und Kratinos als Sieger auszurufen.
" 522. Zwei Brüder, Tugendsam und Liederlich , waren die Hauptpersonen in dem ersten Lustspiele des Aristophanes, den Schmausenden , das er aus jugendlicher Scheu, wie ein Mädchen das Kind einer heimlichen Liebe nicht anzuerkennen wagt (V. 523f.), im J. 427 unter fremdem Namen auf die Bühne gebracht hatte.
" 524. Ein anderes Weib : der Schauspieler und Dichter Philonides. Vgl. die vorangehende Anmerkung.
" 527. In dem Todtenopfer (den Choephoren) des Aeschylos findet Elektra auf dem Grabe ihres Vaters eine geweihte Haarlocke, und erkennt daran die Nähe des wiedergekehrten Bruders Orestes. Ebenso wird die gegenwärtige Komödie an dem Beifalle, den sie bei dem Publikum zu finden hofft, dieselben kunstverständigen Zuschauer wieder erkennen, welche ihrer Schwester, dem ersten Kinde des Dichters, ihre Gunst schenkten.
" 533. Der Wirbeltanz , Kordax, ist ein aus Asien nach Hellas gekommener wollüstiger Tanz, der in der alten Komödie nicht selten war. Kahlköpfe hatte der Komiker Eupolis verspottet, vielleicht weil der junge Nebenbuhler Aristophanes selbst ein Kahlkopf war, auch den Schnurrenerzähler eingeführt; und der Schauspieler des Komikers Hermippos, Simermon, hatte die Gewohnheit, die Nahestehenden zu pritschen, um Gelächter zu erregen. Zum Theil nach dem Scholiasten.
[ 111 ] Vers 538. „Ich prunke nicht mit hohem Busch“, als ein Kahlköpfiger, und ich brüste mich nicht. Der griechische Ausdruck ( κομᾶν ) bezeichnet Beides.
" 544. Hyperbolos, ein Lampenhändler und Töpfer, war schon zu Lebzeiten Kleons, dessen gelehriger Schüler und Geistesverwandter er war, nicht ohne Einfluß, und nach dem Tode desselben allmächtig geworden. Seinen Tod in Samos erzählt Thukydides 8, 73. Außer Hermippos hat ihn auch Eupolis unter dem nicht griechischen Namen Marikas und der Komiker Platon im „Hyperbolos“ verspottet. Seine Mutter war eine Bäckerin und liebte den Trunk.
" 547. Den Vorwurf, daß Eupolis in seinem Marikas die Ritter des Aristophanes ausgeschrieben habe, gibt Eupolis selbst in der Parabase der Bapten (415) mit den Worten zurück, „er habe jene Ritter mit dem Kahlkopf zusammengemacht.“
" 548. Das „alte trunkene Weib“, wahrscheinlich eben die Mutter des Hyperbolos, war eine Nachbildung der Andromeda in dem gleichnamigen Stücke des Komikers Phrynichos, worin dieser die tragische Andromeda aus der Perseussage parodirte, indem er ein besoffenes altes Weib durch ein Meerungeheuer rauben ließ. Andromeda, die Tochter des äthiopischen Königes Kepheus und der Kassiopea, büßte das Vergehen der letzteren, die sich schöner als die Nereiden dünkte, dadurch, daß sie dem verheerenden Meerscheusale, das Poseidon in’s Land gesendet, vorgeworfen ward. An einen Felsen gebunden fand sie Perseus, erlegte das Ungeheuer, und befreite sie.
" 550. Der Komiker Hermippos dichtete auf Hyperbolos und seine Mutter die „Brodweiber“, in welchen diese wegen ihrer barbarischen Sprache verspottet wird.
" 552. Dieses Gleichniß („wie man Aal’ im Trüben fischt“), welches in den Rittern (863) dem Treiben Kleons so kunstreich angepaßt war, hatten jene Nachahmer ungeschickt auf Hyperbolos angewandt.
[ 112 ] Vers 559. „Des Tridentes Schwinger“, Poseidon, der erderschütternde Gott.
" 565. Der „roßlenkende Gott, der in leuchtende Strahlen die Welt einhüllt“, ist Helios.
" 573. Regen und Gewitter bedeuten Unglück; so wird in den Acharnern V. 171 die Volksversammlung schleunig aufgelöst, weil dem Dikäopolis ein Regentropfen auf die Nase fällt.
" 574. Den „paphlagonischen Gerber“ (Kleon) kennen wir aus den Rittern.
" 576. Die Stelle ist nach dem Scholiasten aus dem Teukros des Sophokles.
" 577. Der Mond wich aus seiner Bahn, die Sonne verfinsterte sich, als die Athener den Kleon zum Feldherrn wählten: eine komische Erfindung des Dichters. Kleon, nachdem er mit seiner Tapferkeit geprahlt hatte, ward vom Volke gezwungen, den Zug nach Pylos zu unternehmen.
" 580. Ein Sprichwort sagte: die Athener haben mehr Glück als Verstand.
" 585. Durch die „schwere Fessel“ wird ein hölzernes Strafwerkzeug bezeichnet, in welchem der Verbrecher mit dem ganzen Körper krumm geschlossen wurde, indem man Hals, Hände und Füße durch die dafür bestimmten fünf Oeffnungen oder Röhren des Holzes steckte. Ein anderes hölzernes Strafwerkzeug, der κλοιός zuweilen auch ξύλον genannt, fesselte nur Nacken und Hände.
" 591. Ephesos’ Göttin , Artemis, die von lydischen Jungfrauen verehrt wird, da man Ephesos zu Lydien rechnete.
" 601. Bei den Griechen, die nach Monden das Jahr abmaßen, richteten sich einige Feste nach den Jahrzeiten, andere nach den Neumonden und Vollmonden. Sonnenlauf also und Mondlauf in Uebereinstimmung zu bringen, war die Aufgabe, die seit Solon Manchen beschäftigte, und am geschicktesten löste sie Kleostratos durch seine Periode von acht Jahren oder neunundneunzig Monaten, [ 113 ] unter denen drei Schaltmonate waren. Aber auch bei dieser Rechnung häuften sich große Verwirrungen, daß die Priester unaufhörlich am Kalender zu flicken hatten. Eine solche Kalenderflickerei hatte man wahrscheinlich kurz vor der Aufführung dieses Stückes vorgenommen, und wieder nicht gesorgt, daß die Monate mit den Erscheinungen des Monates übereinstimmten, wodurch die heiligen Monatfeste gänzlich verrückt wurden. Die Götter, aufmerksame Beobachter der Mondphasen, erscheinen an den gehörigen Festtagen; und wenn sie dann statt des fetten Opferduftes einen mageren Werkeltag finden, muß Selene die Unordnung des athenischen Kalenders entgelten. Diese bittet nun, durch eine vernünftige Zeitrechnung ihre Ehre herzustellen. Voß.
Vers 615. Sarpedon, der Sohn des Zeus, und Memnon, der Sohn des Titbonos und der Eos, die im troischen Kriege gefallen waren, werden als Lieblinge der Götter von diesen auch nach ihrem Tode noch geehrt.
" 617. Das Amphiktyonengericht, woran zwölf Völker Griechenlands Theil nahmen, versammelte sich in späterer Zeit zweimal des Jahres, im Frühlinge, vor dem Ausgange des Anthesterion, zu Delphi, im Herbste zu Pylä (Thermopylä), dem ursprünglich einzigen Versammlungsorte. Jeder Amphiktyonenstaat schickte zwei Abgeordnete, einen Hieromnemon und einen Pylagoras, jenen, der den Vorrang hatte, in gottesdienstlicher Angelegenheit, diesen in bürgerlicher. Der Hauptzweck dieses vom Orakel beschüzten Gerichtes war: gemeinsame Sorge für die Religion und den delphischen Tempel, Bekämpfung von Tyrannen, Sorge für Frieden, Beilegung wichtiger Streitigkeiten. Als Hieromnemon war der schlechte, aber betriebsame Hyberbolos zur Frühlingsversammlung nach Delphi geschickt worden, und in seinem Auftrage war die Bitte um Bestätigung des neuen Kalenders. Mit dem Lorbeerkranze, dem Zeichen des glücklichen Erfolges, kehrt er nach Athen zurück; ehe er aber die [ 114 ] Stadt erreicht, wird ihm, dem Unterstüzer des Frevels, durch gottgesandte Winde der Kranz vom Haupte geweht. Dies lustige Unglück war ihm vor wenig Tagen begegnet. Voß.
Vers 619. In einem Geseze des Solon bei Diogenes von Laerte (1, 59.) heißt es: τὰς ἡμέρας ἄγειν κατὰ σελήνην .
" 625. Strepsiades war in die dunkeln Gemächer des Speculatoriums hinabgestiegen: vgl. V. 501.
" 634. Dreimesser – Trimeter, Viermesser – Tetrameter.
" 644. Im Waffentanze, wovon es mehrere Arten gab, ward eine Handlung aus dem Leben von bewaffneten Tänzern mit lebhaftem Gebehrdenspiel nach der Flöte aufgeführt. Er bewegte sich im Dreivierteltakt. Im geraden Takt, oder zweiviertel, schwebten die ruhigeren Tänze, wozu Athenäos einen rechnet, der Daktylos hieß. Voß.
" 646. Das griechische Wort Daktylos bezeichnet „Takt“ und „Finger.“
" 663. Der Fehler liegt nach Sokrates darin, daß ein durch das Geschlechtswort ἡ als weiblich bezeichnetes Wort ( κάρδοπος , Backtrog,) mit der männlichen Endung ος schließt.
" 666. Der Name Kleonymos, meint Sokrates, sollte weiblich enden, also Kleonyme oder (mit deutscher Endung) Kleonymin heißen, um die Feigheit des Mannes zu bezeichnen; vgl. V. 349 f.
" 668. Wegen seiner Armuth und Schmarozerei wird Kleonymos auch in den Rittern verspottet: vgl. V. 1293 ff.
" 669. Der Mörser, worin man Kräuter zum Knoblauchsalat (Acharn. 174) stampfte, war ein gehöhlter Cylinder aus Stein oder Holz. In so einem, dessen Umfang auch eine Vergleichung mit dem Dickwanst aushielt (Wesp. 202), knetete der verarmte Schlucker sein Brod, so oft er daheim essen mußte. Voß.
" 683. Amynias hat im Vocativ Amynia, und erhält dadurch eine weibliche Endung.
[ 115 ] Vers 685. Amynias war ebenso weibisch und üppig, wie Kleonymos.
" 703. Die Urschrift, auf den griechischen Namen der Wanzen ( κόρεις ) anspielend, nennt statt dieser die Korinther, auf deren Geldgier und Wollust sich nach einigen Auslegern die folgenden Verse beziehen sollen.
" 712. Die Schuhe , bemerkt der Scholiast, hat Strepsiades aus Ehrfurcht vor den Mysterien ausziehen müssen. Vgl. V. 493.
" 720. Das Einhüllen des Hauptes sollte von den Eindrücken der Außenwelt befreien und das abstracte Denken befördern. So verhüllt Sokrates bei Platon im Phädros das Haupt, um eine Rede zu ersinnen.
" 742. Medeia soll auf ihrer Flucht durch die Luft eine Kiste mit Zaubermitteln über Thessalien verloren haben. Daher traute man den Thessalerinnen die stärksten Zauberkünste, selbst die Macht zu, den Mond vom Himmel herabzuziehen. Kock.
" 744. Die Spiegelkapsel war den Alten für ihre Metallspiegel nothwendig, um sie vor Rost zu bewahren. Kock.
" 770. Zeugen , nämlich daß du nicht schuldig seiest.
" 807. Strepsiades schwört nicht bei den Göttern, sondern „bei’m Nebel“, wie selbst der wahre Sokrates nicht bei den Göttern schwur, die er dadurch zu beleidigen glaubte, sondern bei unbedeutenden Wesen (Gans, Hund, Platane). Vgl. V. 620.
" 808. Den Reichthum des Oheims Megakles erwähnt die Mutter des Pheidippides V. 70 (s. daselbst die Scholien) und Pheidippides selbst V. 124. Gewöhnlich nimmt man an, Megakles sei gegen früher sehr verarmt: in seinem Hause sei nach des Alten ironischer Uebertreibung nichts zu essen, als die Säulen, die Reste früherer Herrlichkeit.
" 823. Sokrates, der Melier . In diesem einzigen Beiworte, bemerkt Wieland, steckt eine dreifache Schalkheit der giftigsten Art: 1. Man konnte einem Athener wenig [ 116 ] schlimmere Dienste thun, als wenn man ihn über sein attisches Geburtsrecht schikanirte. Wenn der Dichter also den Sokrates von seinem großen Verehrer Strepsiades selbst den Melier nennen läßt, so konnte er hoffen, daß, wer ihn nicht genauer kannte, es im wörtlichen Sinne nehmen und sich einbilden werde, Sokrates sei wirklich von der Insel Melos gebürtig. 2. Die Melier waren eine alte Kolonie der Sparter, und hatten besonders auch in dem noch fortdauernden peloponnesischen Kriege, ihrer vorgeblichen Neutralität ungeachtet, eine warme Anhänglichkeit an Sparta bewiesen. Mehrere fehlgeschlagene Versuche, sie zu einer freiwilligen Unterwerfung unter das nicht allzu sanfte Joch der Athener zu bewegen, unterhielten den gegen sie gefaßten Groll; und da zu allen politischen und merkantilischen Ursachen desselben noch der Umstand hinzukam, daß 3. Diagoras, der beschuldigt war, die eleusinischen Geheimnisse verrathen zu haben, und wegen seiner erklärten Verachtung der Götter Griechenlands der Atheist genannt wurde, ein geborener Melier war: so ist zu glauben, daß auch dies dazu beitragen mochte, den Namen Melier in Athen verhaßt zu machen. „Ja, wenn er ein Melier ist, (wird mancher Zuschauer gedacht haben,) so wundert es mich freilich nicht, daß er ein so heilloser Bursche ist und ein Atheist noch obendrein.“
Vers 838. Nach Xenophon (Denkwürd. 1, 2, 49.) durfte der Sohn den Vater der Geistesverwirrung ( παρανοίας ) anklagen, und, wenn er sie beweisen konnte, ihn gefangen sezen. Der Sinn ist: soll ich ihn wegen Wahnsinns vor Gericht anklagen, um mich von ihm zu befreien, oder ist eine solche Klage überflüssig, da dieser Zustand auf sein nahes Lebensende zu deuten scheint?
" 846. Himmelstürmer nennt Pheidippides die Anhänger der neuen Lehre von ihrer Aehnlichkeit mit den Giganten, welche dem Zeus die Weltherrschaft streitig machten.
[ 117 ] Vers 852. Als die Sparter in Attika einfielen, bewog Perikles ihre Feldherrn Kleandrides und Pleistoanax durch zehn, nach Anderen durch zwanzig Talente zum Rückzug. Bei der Prüfung der Staatsrechnungen begnügten sich die Athener mit seiner Bemerkung, daß er das Geld zu Nöthigem ( εἰς τὸ δέον ) verwandt habe: was Strepsiades lächerlich macht, indem er das „verwandt“ des Perikles in „verthan“ verdreht.